Pressemitteilung

Patientensicherheit im Klinikalltag

So bereiten sich Menschen mit Diabetes auf ihren Krankenhausaufenthalt richtig vor
14.09.2026

Menschen mit Diabetes sollten einen Krankenhausaufenthalt gut vorbereiten und ihre Erkrankung bereits bei der Aufnahme aktiv ansprechen. Denn nur wenn Therapiepläne, das Insulinschema, Medikamente sowie Informationen zu Glukosesensoren oder Insulinpumpen frühzeitig vorliegen, kann das Klinikteam die Diabetesbehandlung von Beginn an sicher mitplanen. Auch wenn Diabetes nicht der eigentliche Aufnahmegrund ist, kann die Stoffwechselerkrankung einen operativen Eingriff und den Behandlungsverlauf entscheidend beeinflussen. Anlässlich des Tages der Patientensicherheit am 17. September 2026 zeigt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), wie Betroffene sicherer durch den Klinikaufenthalt kommen können.

Ob Operation, Untersuchung, Infekt, Cortisontherapie, Änderungen in der Medikation oder verschobene Mahlzeiten: Im Klinikalltag kann der Blutzucker schnell aus dem Gleichgewicht geraten. Besonders bei insulinpflichtigen Patientinnen und Patienten mit Diabetes Typ 1 oder Typ 2, und insbesondere bei Verwendung einer Insulinpumpe oder CGM-/FGM-Systemen braucht es klare Zuständigkeiten und diabetologische Erfahrung. „Diabetes ist im Krankenhaus keine Nebensache“, so Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Past-Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). „Auch wenn Menschen wegen Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Knochenbruch oder einer Operation aufgenommen werden, muss die Diabetesbehandlung von Beginn an mitgedacht werden. Sonst können vermeidbare Risiken entstehen.“

Bei Infekten und Therapieänderungen besonders aufmerksam sein

Auch akute Erkrankungen können die Diabetesbehandlung verändern. Viele Patientinnen und Patienten werden beispielsweise wegen Infektionen wie einer Lungenentzündung oder Nierenbeckenentzündung im Krankenhaus behandelt und benötigen eine antibiotische Therapie. Bei Diabetes kann eine Infektion den Blutzucker stark erhöhen, bis hin zu einer diabetischen Ketoazidose; die Therapie muss dann angepasst und intensiviert werden. Greift die Behandlung und geht die Infektion zurück, kann wiederum weniger antidiabetische Therapie nötig sein, etwa weniger Insulin. Auch darauf muss das Behandlungsteam rechtzeitig reagieren, um bei einer Insulinbehandlung eine potenziell lebensgefährliche Unterzuckerung zu vermeiden. 

Diabetes ansprechen – Zuständigkeiten klären

Für Menschen mit Diabetes ist es deshalb wichtig, Veränderungen aktiv anzusprechen: Wird eine neue Therapie begonnen? Muss Insulin angepasst werden, wenn der Blutzucker während einer Infektion stark steigt oder nach Abklingen der Erkrankung wieder sinkt. Aus Sicht der DDG sollten Menschen mit Diabetes oder deren Angehörige schon vor einem geplanten Aufenthalt daher klären, wer im Krankenhaus für ihre Diabetesbehandlung zuständig ist. Wichtig ist außerdem, dass das Klinikteam frühzeitig weiß, welche Diabetesform vorliegt, welche Medikamente eingenommen werden und ob Insulin, Insulinpumpe oder Glukosesensor genutzt werden. „Menschen mit Diabetes sollten nicht davon ausgehen, dass alle Informationen zu ihrer Stoffwechselerkrankung automatisch in der Klinik vorliegen“, so Fritsche. „Wer Therapieplan, Medikamentenliste, Pumpeneinstellungen oder Sensordaten mitbringt, erleichtert dem Behandlungsteam eine sichere Versorgung.“

DDG Zertifikat gibt Orientierung

Ein wichtiges Orientierungskriterium ist eine Diabetes-Zertifizierung der Klinik. Ein DDG Zertifikat zeigt, dass eine Klinik im Umgang mit Diabetes gut aufgestellt ist. „Sind im Klinikteam Diabetologinnen oder Diabetologen und/oder Diabetesberaterinnen und -berater vertreten, ist das für Betroffene ein guter Hinweis darauf, dass eine Klinik Strukturen für eine gute Diabetesversorgung aufgebaut hat“, so Fritsche. „Dazu gehören immer diabetologisch geschulte Fachkräfte, qualifiziertes Pflegepersonal und klare Abläufe.“ Menschen mit Diabetes können deshalb vor einem geplanten Aufenthalt prüfen, ob die Klinik DDG-zertifiziert ist oder ob dort diabetologisch geschultes Personal in die Behandlung eingebunden werden kann. „Eine Zertifizierung gibt auch viel Sicherheit, denn nicht immer sind die Betroffenen bei ihrer Klinikaufnahme oder nach der OP in der Lage, ihre Bedarfe an das Klinikpersonal aktiv zu kommunizieren. Jedes Krankenhaus sollte daher Strukturen haben, die Menschen mit Diabetes eine sichere Versorgung gewährleisten“, betont Fritsche.

Was Menschen mit Diabetes vor der Aufnahme im Blick haben sollten

Besonders wichtig ist eine Klinik-Vorbereitung bei Typ-1-Diabetes, Insulinpumpentherapie, schweren Unterzuckerungen in der Vorgeschichte oder bestehenden diabetischen Begleit- und Folgeerkrankungen wie Neuropathie oder bestehender Schädigung des Herzens, der Augen oder Nieren. „Gerade bei insulinpflichtigen Menschen kann eine unklare Zuständigkeit gefährlich werden“, so Fritsche. 

Die DDG empfiehlt Menschen mit Diabetes daher, vor einem geplanten Krankenhausaufenthalt einige praktische Fragen zu stellen und alle wichtigen Diabetes-Utensilien in die Krankenhaus-Tasche zu packen.

FAQ für den Klinikaufenthalt

  • Gibt es in der Klinik einen Diabetologen, eine Diabetologin oder ein Diabetes-Team?
  • Ist die Klinik DDG-zertifiziert? Hier informieren: https://www.ddg.info/behandlung-leitlinien/zertifizierte-praxen-/-kliniken
  • Wer entscheidet über Insulin, Tabletten oder andere Diabetesmedikamente während des Aufenthalts?
  • Was passiert mit meinem Insulin, wenn ich nüchtern bleiben muss?
  • Darf meine Insulinpumpe weiterlaufen?
  • Wer bewertet meine CGM- oder FGM-Werte?
  • Wie wird verhindert, dass Mahlzeiten, Insulin und Untersuchungen zeitlich nicht zusammenpassen?
  • Was passiert, wenn sich eine Mahlzeit verschiebt oder ausfällt?
  • Wer passt meine Therapie an, wenn ich eine Infektion habe oder neue Medikamente bekomme?

DDG fordert mehr diabetologische Expertise in Kliniken

Diabetes ist im Krankenhaus häufig: Jede fünfte Person im Krankenhaus hat einen Diabetes. Gleichzeitig ist nur etwa ein Drittel aller Krankenhäuser für Diabetes zertifiziert. Zwei Drittel der Kliniken verfügen weder über Ärztinnen und Ärzte mit diabetologischer Weiterbildung noch über Pflegepersonal mit Weiterbildung „Diabetesberaterin/-berater DDG“.

Eine neuere Untersuchung die Kliniken mit und ohne Diabetes-Zertifizierung verglichen hat, macht die strukturelle Versorgungslücke in Deutschland sichtbar: Patientinnen und Patienten mit Diabetes werden in zertifizierten Kliniken besser behandelt. Hochgerechnet könnten jährlich 1140 Menschen mit Diabetes weniger in deutschen Kliniken sterben, wenn alle Kliniken über ein Zertifikat verfügten.

Die DDG setzt sich deshalb gesundheitspolitisch dafür ein, diabetologische Expertise in Kliniken zu sichern, die Sichtbarkeit von zertifizierten Einrichtungen zu stärken und verbindliche Abläufe für die Versorgung von Menschen mit Diabetes im Krankenhaus zu etablieren.

Hier finden Sie weitere Informationen zu DDG-zertifizierten Kliniken: https://www.ddg.info/behandlung-leitlinien/zertifizierte-praxen-/-kliniken

Quellen

Auzanneau M, Fritsche A, Eckert AJ, Seidel-Jacobs E, Heni M and Lanzinger S (2026) In-hospital outcomes of adults with diabetes treated in certified vs. non- certified hospitals: a nationwide analysis of German DRG statistics. Front. Health Serv. 6:1782882. doi: 10.3389/frhs.2026.1782882published 21 May 2026 (Frontiers | In-hospital outcomes of adults with diabetes treated in certified vs. non-certified hospitals: a nationwide analysis of German DRG statistics), Volume 6 - 2026 https://doi.org/10.3389/frhs.2026.1782882 

Pressemitteilung DDG: Neue Daten zeigen niedrigere Krankenhaussterblichkeit und kürzere Liegedauer von Menschen mit Diabetes in DDG-zertifizierten Zentren: www.ddg.info/presse/2026/neue-daten-zeigen-niedrigere-krankenhaussterblichkeit-und-kuerzere-liegedauer-von-menschen-mit-diabetes-in-ddg-zertifizierten-zentren