Pressemitteilung

DANK: Mythen der Zuckerindustrie im Faktencheck – Bekenntnis der Politik zur Zuckergetränkesteuer gefordert

05.11.2026

Das Bundeskabinett hat sich für die Zuckergetränkesteuer ausgesprochen, doch die Entscheidung des Bundestags steht noch aus. Gemäß aktuellen Medienberichten steht die Steuer auf der Kippe. Dabei betonen wissenschaftliche und medizinische Fachorganisationen seit vielen Jahren: Die Zuckergetränkesteuer kann helfen, Adipositas- und Diabeteserkrankungen zu vermeiden und den Anstieg von Gesundheitskosten zu dämpfen. Vor den entscheidenden Beratungen im Bundestag stellt die Zuckerindustrie mit irreführenden Argumenten die Wirksamkeit der Zuckergetränkesteuer in Frage. Eine heute veröffentlichte wissenschaftliche Stellungnahme nimmt die Argumente der Zuckerindustrie unter die Lupe und zeigt auf, wo sie in die Irre führen. 

Mythos: Für das Körpergewicht zählt allein die Kalorienbilanz, nicht der Zucker
Fakt: Zuckergetränke erhöhen die Kalorienaufnahme und damit das Körpergewicht. 

Mythos: Die Zuckersteuer hilft nicht gegen Übergewicht und Adipositas.
Fakt: Umfangreiche Evidenz spricht für die Wirksamkeit von Zuckergetränkesteuern. 

Mythos: Die Zuckersteuer kostet Arbeitsplätze.
Fakt: Unabhängige Studien liefern keine Hinweise auf Arbeitsplatzverluste. Von niedrigeren Gesundheitskosten profitiert auch die Wirtschaft.

Mythos: Die Zuckersteuer ist ein Bürokratiemonster.
Fakt: Der geschätzte Verwaltungsaufwand der Zuckergetränkesteuer bewegt sich in einer ähnlichen Größenordnung wie bei anderen Steuern. 

Die Stellungnahme untersucht neun häufige Argumente der Lebensmittel- und Getränkeindustrie und stellt ihnen evidenzbasierte Fakten, Erfahrungen aus anderen Ländern sowie eine wissenschaftliche Einordnung gegenüber. 

„Die Zucker- und Lebensmittellobby zündet eine Nebelkerze nach der anderen. Statt sich mit den wissenschaftlichen Fakten auseinanderzusetzen, wird abgelenkt, Evidenz ausgeblendet und mit schnell zu erzeugenden Ängsten gearbeitet. Wer die Argumente der Industrie genauer prüft, erkennt schnell: Vieles davon hält einem Faktencheck nicht stand. Die Politik sollte sich nicht täuschen lassen. Eine bessere Gesundheit und geringere Krankheitskosten nutzen allen, und auch der Wirtschaft“, kommentiert Barbara Bitzer, Sprecherin des Wissenschaftsbündnis DANK und Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), die Argumentationsstrategie der Industrie. 

Prof. Dr. med. Peter von Philipsborn, Hauptautor der Stellungnahme und Leiter des Lehrstuhls für Public Health Nutrition an der Universität Bayreuth, ergänzt: „Zuckergetränke erhöhen das Risiko für Adipositas, Typ-2-Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für die Prävention dieser Erkrankungen braucht es eine umfassende Strategie. Die Zuckergetränkesteuer ist kein Allheilmittel, aber ein zentraler Baustein im Einsatz gegen ernährungsbedingte Erkrankungen und ein wichtiger Schritt hin zu einer wirksamen Präventionspolitik.“

Die Zuckergetränkesteuer soll im November im Deutschen Bundestag erörtert werden. Im Vorfeld intensivierten sich die Debatten um die Wirksamkeit der Steuer und ihre intendierte Lenkungswirkung. „Eigenverantwortung braucht Rahmenbedingungen, die gesündere Entscheidungen erleichtern, unabhängig vom Bildungsstand oder vom Geldbeutel. Genau diese Rahmenbedingungen kann die Politik jetzt schaffen“, schließt Präventionsexpertin Bitzer.

Zur Vollversion der Stellungnahme: 
Peter von Philipsborn, Anette Buyken, Karl Emmert-Fees, Hans Hauner, Berthold Koletzko, Eva Rehfuess, Diana Rubin, Falko F. Sniehotta: Argumente gegen die Zuckergetränkesteuer: eine Einordnung. Zenodo 2026. Online: https://doi.org/10.5281/zenodo.23955038