Fettleber und Diabetes Typ 2 verstärken Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und weitere Folgen
Die Volkskrankheit Diabetes Typ 2 tritt häufig nicht allein auf: Etwa 70 Prozent aller daran erkrankten Menschen haben auch eine sogenannte metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD). Sie erhöht nicht nur das Risiko für Leberzirrhose und Leberkrebs, sondern steht auch mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschäden und weiteren schweren Folgeerkrankungen in Verbindung. Auf dem Diabetes Kongresses 2026 der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der ab heute, Mittwoch, den 13. Mai bis Samstag, den 16. Mai 2026 hybrid in Berlin und online stattfindet, diskutieren die Teilnehmenden unter anderem über neue Erkenntnisse zur Früherkennung, Vorbeugung und Therapie der oft lange unerkannten „Fettleber“. Auch auf der Kongress-Pressekonferenz am Freitag, den 15. Mai 2026, steht das Thema im Fokus.
Die MASLD zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. Die Krankheit beginnt meist mit einer Einlagerung von Fett in die Leber (sogenannte Fettleber). Im weiteren Verlauf kann sich daraus eine entzündliche Form entwickeln, die zu Vernarbungen und schließlich zu einer Leberzirrhose führen kann. „MASLD ist längst keine reine Lebererkrankung mehr“, erklärt Professor Dr. med. Nikolaos Perakakis, Kongresssekretär Diabetes Kongress 2026 und Bereichsleiter für Metabolisch Vaskuläre Medizin sowie Leiter des Studienzentrums für Stoffwechselerkrankungen der Medizinischen Klinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden. „Gerade bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist das Vorliegen einer MASLD mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und weitere schwere Folgeerkrankungen verbunden.“ Besonders problematisch ist, dass die Erkrankung häufig keine Beschwerden verursacht und deshalb lange unerkannt bleibt. Gleichzeitig steigt mit dem Fortschreiten der Erkrankung auch das Risiko für Komplikationen. Die Leberfibrose, also die Vernarbung des Organs, gilt dabei als wichtigster prognostischer Faktor.
Risiko reicht weit über die Leber hinaus
Die Folgen der MASLD betreffen häufig nicht nur die Leber. Studien zeigen Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Nierenerkrankungen, Vorhofflimmern und verschiedenen Tumorerkrankungen. Auch Verbindungen zu Infektionen und neuropsychiatrischen Erkrankungen werden diskutiert. Menschen mit Typ-2-Diabetes gelten dabei als besondere Hochrisikogruppe. Besteht zusätzlich eine MASLD, steigt ihr Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und die Sterblichkeit deutlich an. Ob dabei ein kausaler Zusammenhang besteht oder die MASLD vielmehr Ausdruck einer fortgeschrittenen metabolischen Erkrankung ist, wird derzeit intensiv untersucht. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass die Fettleber selbst die Entstehung eines Typ-2-Diabetes fördern kann.
Leitlinien empfehlen strukturiertes Screening
Trotz ihrer Bedeutung wird die Erkrankung weiterhin zu selten erkannt. Die DDG gibt als eine der wenigen europäischen Diabetes-Fachgesellschaften aktualisierte Empfehlungen zu MASLD/Fettlebererkrankungen heraus. Diese Leitlinien empfehlen ein strukturiertes Screening bei Menschen mit Prädiabetes und Typ-2-Diabetes.
Als einfaches Erstverfahren gilt der sogenannte FIB-4-Index. Er basiert auf Routinelaborwerten und ermöglicht eine erste Einschätzung des Risikos für eine Leberfibrose. „Die notwendigen Instrumente für ein frühes Screening sind vorhanden und vergleichsweise einfach einzusetzen“, sagt Perakakis. „In der Versorgung werden sie bislang aber noch zu selten genutzt.“ Gründe seien unter anderem fehlende Einbindung in Disease-Management-Programme, begrenzte Erstattungen und eine geringe Verfügbarkeit weiterführender Untersuchungen wie der Elastografie der Leber.
„Aktuell darf ich die European Association for the Study of Diabetes (EASD) in der Vorbereitung der neuen europäischen Leitlinien vertreten, die medikamentöse Therapien bei MASLD und MASH empfehlen wird“, erklärt Professor Univ.-Prof. Dr. Michael Roden, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft „Darm und Leber“ der DDG.
Neue Medikamente erweitern die Behandlungsmöglichkeiten
Lange bestand die Behandlung vor allem aus Gewichtsreduktion, Bewegung und der Therapie kardiometabolischer Risikofaktoren. Inzwischen entwickelt sich die medikamentöse Therapie weiter. Für bestimmte Formen der entzündlichen Fettleber steht erstmals eine spezifische medikamentöse Behandlung zur Verfügung. Zudem zeigen inkretinbasierte Therapien, die bereits bei Typ-2-Diabetes und Adipositas eingesetzt werden, positive Effekte auf zentrale Aspekte der MASLD. Parallel dazu befinden sich weitere Wirkstoffe in klinischer Entwicklung. Sie könnten die Versorgung von Menschen mit Fettleber und Diabetes künftig gezielter verbessern.
„Entscheidend ist, die Erkrankung früher zu erkennen und leitlinienbasierte Strategien konsequent in die Routineversorgung zu integrieren“, resümiert Perakakis.