Gemeinsame Stellungnahme zum Nutzenbewertungsverfahren zum Wirkstoff Tirzepatid
Die Therapie des Typ-2-Diabetes (T2D) und der morbiden Adipositas mit GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1RA) hat im letzten Jahrzehnt zunehmend an Bedeutung gewonnen und ist mittlerweile in den Leitlinien fest verankert. GLP-1RA stimulieren bei Hyperglykämie die endogene Insulinsekretion und tragen so zur Normalisierung der Plasmaglukose bei, ohne selbst Hypoglykämien auszulösen. Darüber hinaus führen GLP-1RA zu einer klinisch relevanten Körpergewichtsabnahme und zu einer leichten Senkung des systolischen Blutdrucks. Zudem wurde eine Verbesserung des Lipidprofils sowie einer Metabolische-Dysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD) beschrieben. Einige GLP-1RA haben zudem in kardiovaskulären Sicherheitsstudien Vorteile bezüglich kardiovaskulärer Endpunkte gezeigt. Aus diesem Grund werden GLP-1RA in den Leitlinien für Menschen mit T2D und kardiovaskulärer Vorerkrankung schon direkt bei Diagnosestellung mit Beginn einer Metformin-Therapie empfohlen. Auch bei zusätzlichen Therapiezielen, wie Hypoglykämie-Vermeidung und Gewichtsreduktion, werden GLP-1RA bei Menschen mit T2D empfohlen. Damit verschiebt sich die Indikation einer Insulintherapie bei Typ-2-Diabetes gemäß der Leitlinien in einen späteren Zeitpunkt des Krankheitsverlaufs. Auch in der Therapie der Adipositas können GLP-1RA entsprechend der Zulassung eingesetzt werden und sind hier gut wirksam. Bei Kindern sind die GLP-1RA (in alphabetischer Reihenfolge) Dulaglutid (ab 10 Jahren), Liraglutid (Victoza®, ab 12 Jahren) und Semaglutid (Ozempic®, ab 12 Jahren) zur Therapie des T2D zugelassen [1-3].