Stoffwechsel und Psyche ins Gleichgewicht bringen

Eine stationäre Diabetesbehandlung kann nachhaltig wirksam sein

Berlin.  Gelingt es selbst mit hohen Insulindosen nicht, einen Diabetes adäquat einzustellen, kann ein vorübergehender Klinikaufenthalt helfen. Oft profitieren Patienten in mehrerlei Hinsicht von der umfassenden Betreuung im Krankenhaus. Die schwindet jedoch aus Kostengründen, kritisiert die DDG.

shutterstock_TrifonenkoIvan

Obwohl es in Deutschland vielfältige ambulante Therapiemöglichkeiten für Menschen mit Diabetes gibt, ist der Blutzucker aktuellen Studien zufolge bei mindestens jedem Dritten nicht optimal eingestellt. „Häufig ist dies auf eine ausgeprägte Insulinresistenz zurückzuführen, welche oft durch die verfügbaren oralen Medikamente und GLP1-Analoga nicht ausreichend behandelt werden kann“, erklärte Professor Dr. Juris Meier vom Katholischen Klinikum Bochum. Dann sei eventuell eine zeitlich begrenzte intravenöse Gabe von Insulin im Zuge eines stationären Aufenthaltes sinnvoll.

Noch immer zu viele Folgeerkrankungen
Oft gelinge es, den Glukosestoffwechsel bereits nach einer zweitägigen Behandlung wieder so ins Gleichgewicht zu bringen, dass die Betroffenen anschließend deutlich geringere subkutane Insulindosen benötigen. Auch die DDG konstatierte im Vorfeld des Weltdiabetestages am 14. November, die Zahl der Folgeerkrankungen sei nach wie vor zu hoch. Lässt sich der Blutzuckerspiegel ambulant nicht optimal einstellen, empfiehlt die Gesellschaft eine stationäre Behandlung.

Die Hälfte profitiert von psychologischen Angeboten
Der Krankenhausaufenthalt umfasst eine intensive Diabetesschulung und Ernährungsberatung sowie eine Bewegungstherapie. Darüber hinaus biete er die Möglichkeit, psychosomatische Probleme zu erkennen, bemerkte Prof. Meier.

Menschen mit Typ-2-Diabetes leiden besonders oft unter Depressionen, Binge-Eating-Störungen sowie Angsterkrankungen – bei einem Typ-1-Diabetes treten hingegen eher Ess-Störungen wie Bulimie und Insulin-Purging* auf. „Untersuchungen an unserer Klinik zeigten, dass etwa die Hälfte aller eingewiesenen Diabetespatienten von entsprechenden Angeboten profitieren können“, stellte Prof. Meier fest und betonte: „Die Psychosomatik bei Diabetes darf nicht unterschätzt werden, da sie die dauerhaft erfolgreiche Diabetes­therapie erheblich gefährdet“.

Die klinische Betreuung sei sehr effektiv, jedoch teuer und bedenklich unterfinanziert, so DDG-Präsidentin Professor Dr. ­Monika ­Kellerer. Klinikpersonal werde zunehmend gekürzt, manchmal gar ganze Diabetesstationen geschlossen. Das bedrohe sowohl die Patientenversorgung als auch die Aus- und Weiterbildung im Fach Diabetologie, die weitgehend an Kliniken stattfinde, so Prof. Kellerer. Gerade auf den aktuell besonders geforderten Intensivstationen fehle es an diabetologischem Fachwissen, um multimorbide Diabetes­patienten mit COVID-19 umfassend zu behandeln.

diabetes zeitung

Pressemitteilung der DDG

*Patienten spritzen sich gezielt weniger Insulin, um abzunehmen