Komplexe Zusammenspiele im Darm
MANNHEIM. Beeinflusst der Leberfettgehalt die Inkretinsekretion oder umgekehrt? Und: Die Therapie mit Metformin bewirkt eine Mikrobiomveränderung.
Der deutlich reduzierte Inkretineffekt bei Typ-2-Diabetes (T2D) wird in erster Linie auf eine Störung der Inkretinwirkung in den pankreatischen Betazellen zurückgeführt, erklärte Maximilian Huttach vom Deutschen Diabetes Zentrum (DDZ) in Düsseldorf. Eine weitere physiologische Erklärung bei T2D beziehe sich auf eine generelle Einschränkung der Inkretinsekretion aus den K-Zellen (GIP) und L-Zellen (GLP1) im Darm, allerdings spreche einiges gegen diese Theorie. Offen sei auch die Frage, welche Faktoren für die hohe interpersonelle Variabilität der Inkretinsekretion verantwortlich sind.
In einer Teilauswertung der Deutschen Diabetes Studie (GDS) wurde nun die Insulinsekretion bei 50 Personen mit neu diagnostiziertem T2D untersucht. Die postprandiale Sekretion von GIP und GLP1 war signifikant niedriger, sagte Huttasch. Da Personen mit T2D ein erhebliches Risiko für eine metabolische Lebererkrankung aufweisen, wurde geprüft, ob der Leberfettgehalt die Inkretinsekretion beeinfl usst oder umgekehrt. Die Ergebnisse „haben uns erstaunt“, konstatierte Huttasch. Unabhängig von T2D wurden höhere Konzentrationen beider Inkretine gemessen, wenn eine metabolische Lebererkrankung (MASLD) vorlag. Eine Erklärung dafür stehe noch aus. Seit den Anfängen der inkretinbasierten Therapie im Jahr 2006 mit Exenatid hat sich viel getan, auch in Bezug auf die Organprotektion. Huttasch berichtete von der signi kanten Reduktion von Metabolischer Dysfunktion-assoziierter Steatohepatitis (MASH) und Verbesserung von Fibrose unter wöchentlicher Gabe von Semaglutid. Aus diesen neueren Untersuchungen resultierte in den USA die Zulassung des GLP1-RA für die Indikation MASH mit Fibrose. Positive organprotektive Signale lägen zudem aus Biopsiegesteuerten Phase-2-Studien mit Survodutid und Tirzepatid vor.
Spannend: diabetische Signatur der Gallensäuren
Diabetesspezifische Effekte auf das Darmmikrobiom können unabhängig von adipositasbedingten Effekten auftreten, informierte Professor Dr. Matthias Laudes, Direktor des Instituts für Diabetologie und klinische Stoffwechselforschung, Campus Kiel. „Das Mikrobiom kann man langfristig nur verändern, wenn man langfristig die Ernährung verändert.“ Nach kurzzeitigen Interventionen „schlägt das Mikrobiom wieder zurück in die Ausgangsposition“, dies sei teils genetisch bedingt.
Prof. Laudes überraschte mit der Botschaft: „Wenn Sie Metformin eingesetzt haben, haben Sie auch eine Mikrobiomtherapie durchgeführt.“ Das liege daran, dass die Einnahme von Metformin Stoffwechselanpassungen bei Darmbakterien hervorruft. Für das dadurch gebildete Stoffwechselprodukt Agmatin wurden insulinsteigernde und neuroprotektive Wirkungen nachgewiesen. Dr. Geronimo Hellmann, DDZ, Düsseldorf, ergänzte, dass die Einnahme von Metformin in einer kleinen Subkohorte der GDS die Diversität des Darmmikrobioms sowie die Menge der kurzkettigen Fettsäuren im Darm erhöhen konnte.
Inzwischen werde nicht mehr jede Dysbiose als schlecht erachtet, sagte Prof. Laudes. Bei Diabetes sei der Gallensäurepool „extrem“ und „sehr spezifisch“ verändert, getriggert durch das von Darmepithelzellen freigesetzte FGF19. Das in der Folge vermehrt gebildete Spermidin wirke positiv bezüglich der Insulinresistenz. Somit könnte eine Veränderung des Mikrobioms ein kompensatorischer Effekt sein. „Wir gehen davon aus, dass wir eine echte Symbiose haben zwischen unserem Mikrobiom und dem menschlichen Organismus.“
Dr. Karin Kreuel
Diabetes Herbsttagung 2025