DFS bei Älteren: Ziele ermöglichen
MANNHEIM. Das Diabetische Fußsyndrom (DFS) ist ein Hinweis auf schwere Begleiterkrankungen und erfordert besonders im Alter eine individuell angepasste Therapie. Entscheidend sind schonende Verfahren, eine konsequente Druckentlastung und qualifizierte Unterstützung durch Fuß- und Wundassistent*innen.
Menschen mit Diabetes versterben nicht an hohem Blutzucker, sondern an diabetesassoziierten Erkrankungen wie etwa dem Diabetischen Fußsyndrom (DFS). Für dessen Entstehen sind hauptsächlich die diabetische Polyneuropathie (PNP) und die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) verantwortlich, wie Dr. Young Hee Lee-Barkey vom Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen erklärte. „Das Vorhandensein eines DFS weist also darauf hin, dass der betroffene Mensch schwer krank ist.“ Entsprechend liege die Fünf-Jahres-Mortalität beim DFS bei 30 bis 70 %.
DFS-Therapie bei alten Menschen: weniger ist oft mehr
Bei geriatrischen Patient*innen erschwert neben funktionellen Einschränkungen auch die Seneszenz der Zellen eine rasche Wundheilung. Dr. Lee-Barkey empfahl, die Therapie vorrangig an der individuellen Lebenssituation auszurichten. Ältere Menschen verfolgten häufig zeitlich begrenzte Ziele – etwa ein Familienfest oder ein Jubiläum, das sie möglichst unbeschwert erleben möchten. „Wir sollten verhindern, dass sie in den wenigen Jahren, die ihnen noch bleiben, mit einer Behinderung im Bett liegen, nur weil wir leitliniengerecht therapiert haben. Weniger kann dann oft mehr sein.“
Als Beispiele für konservative bzw. wenig invasive Ansätze, die bei hochbetagten Menschen mit Diabetischem Fußsyndrom schonend durchgeführt werden können, nannte die Diabetologin Kaltplasma, autologes plättchenreiches Plasma oder Fischhauttransplantate. Innere Entlastung des Fußes: „einfach, aber sehr wirksam“
Doch natürlich haben auch gefäßchirurgische Interventionen ihren Platz in der Therapie des DFS, wie der niedergelassene Gefäßchirurg Dr. Dimitry Dovzhanskiy aus Bensheim erläuterte. Allerdings konzentriere man sich in seinem Fachgebiet häufig auf die Revaskularisation und vernachlässige die für eine Wundheilung zwingend notwendige Druckentlastung des betroffenen Fußes. Neben Maßnahmen zur äußeren Entlastung wie Distanzpolster, Orthesen oder Maßschuhe könne man mit kleinen, aber effektiven fußchirurgischen Eingriffen zur inneren Entlastung des Fußes beitragen.
Hierzu zählt Dr. Dovzhanskiy Tenotomien (operative Durchtrennung einer Sehne), Strecksehnenverlängerungen oder Gelenkkapsel-Releases, die problemlos ambulant erfolgen könnten und „einfach, aber sehr wirksam“ seien. Größere Prozeduren wie Achillessehnenverlängerungen oder Keilosteotomien erforderten hingegen ein stationäres Setting. Das Fazit des Gefäßchirurgen zur Therapie des DFS: „DFS ist mehr als Sono und Wundbehandlung. Die Entlastung ist das entscheidende Element.“
Antje Thiel
Diabetes Herbsttagung 2025