Weiterhin bestens beschirmt
WIESBADEN. Mit Prof. Dr. Henriette Kirchner übernimmt erneut eine Naturwissenschaftlerin eine Förderrolle in der AG Nachwuchs. Ihre Vorgängerin Prof. Dr. Annette Schürmann hat die Arbeitsgemeinschaft lange entscheidend geprägt. Der Wechsel steht sowohl für Kontinuität als auch für neue Impulse.
Mit dem Eintritt in den Ruhestand hat Professorin Dr. Anette Schürmann, bis Sommer 2025 am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke tätig, auch ihre Aufgabe als Schirmherrin der AG Nachwuchs der DDG abgegeben. „Mir war wichtig, dass es wieder eine Naturwissenschaftlerin wird – und keine Medizinerin“, sagt die Molekularbiologin. Denn moderne Diabetologie sei ohne interdisziplinäre Forschung nicht denkbar: „Wir brauchen Impulse aus Biochemie, Bioinformatik, Molekularbiologie, Ernährungswissenschaften oder Pharmazie. Nur gemeinsam mit der Klinik entsteht wirklich wirksame translationale Medizin.“
„Großeltern“ der AG beraten und geben Raum
Prof. Schürmann war von Beginn an prägend für die Entwicklung der AG. Sie gehörte zu den Initiatorinnen der Reisestipendienprogramme, war intensiv in den Aufbau des Mentoringprogramms eingebunden und gestaltete viele Jahre die Nachwuchsarbeit mit. „Aus dem Kreis derer, die sich um die Reisestipendien kümmerten, entstand schließlich die Idee, eine eigene AG Nachwuchs zu gründen“, erinnert sie sich. Gemeinsam mit Professor Dr. Jochen Seufert von der Uniklinik Freiburg leitete sie diese zunächst selbst, bevor die Verantwortung an jüngere Kolleg*innen überging.
Ein Meilenstein war für sie der erste Students‘ Diabetes Day in Aachen. „Das große positive Feedback war eines meiner Highlights“, sagt Prof. Schürmann. Heute gestalten viele ehemalige Stipendiat*innen diese Veranstaltungen selbst. Rückblickend beschreibt Prof. Schürmann ihre Rolle so: „Wir waren quasi die Großeltern der AG – man trägt keine unmittelbare Verantwortung, kann aber im Hintergrund hin und wieder beratend oder lenkend eingreifen.“ Ihrer Nachfolgerin Professorin Dr. Henriette Kirchner gibt sie mit auf den Weg: „Die enge Zusammenarbeit zwischen Medizin und Naturwissenschaften weiter zu stärken – das wünsche ich mir sehr.“ Die Ernährungswissenschaftlerin vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, die am Institut für Humangenetik forscht und seit vielen Jahren in der Diabetes- und Adipositasforschung tätig ist, greift diesen Wunsch gern auf. „Ich arbeite sehr gern mit Nachwuchs – das macht mir große Freude“, sagt sie. Erfahrungen aus dem Nachwuchsprogramm DZD Next möchte sie nun in die AG einbringen. „Netzwerken, gegenseitiges Feedback und Mentoring sind zentrale Bausteine wissenschaftlicher Karrieren.“
Die Arbeitsgemeinschaft Nachwuchs der DDG
Live-Podcast von der Diabetes Herbsttagung 2025: Ein Gespräch über Fachärztemangel, Interdisziplinarität und Nachwuchsförderung |
Auch Prof. Kirchner betont die Bedeutung der interdisziplinären Verzahnung: „Wir entwickeln im Labor Therapien, die in der Klinik ankommen sollen. Dafür brauchen wir den engen Austausch mit den klinisch Tätigen.“ Umgekehrt wünscht sie sich mehr Forschungsbegeisterung bei jungen Ärzt*innen: „Wir brauchen für die Zukunft translationale Forschung – klinische Kolleg*innen müssen naturwissenschaftlicher denken, Forschende klinischer.“ Konkret plant sie für die Tagungen der DDG neue Workshopformate, etwa zu KI-gestütztem Schreiben, Drittmitteleinwerbung und Karrierewegen in der Wissenschaft. Auch Veranstaltungen mit dem DZD sollen ausgebaut werden. „Mein Ziel ist es, dem Nachwuchs den Zugang zu Netzwerken zu erleichtern und zugleich die Angst vor Hierarchien zu nehmen.“
Generationswechsel steht für Kontinuität
Dr. Irena Drozd von der Universitätskinderklinik in Dresden, eine der Sprecherinnen der AG Nachwuchs, freut sich auf die Zusammenarbeit. „Unsere Schirmherrinnen repräsentieren uns nach außen und zum DDG-Vorstand, beraten uns bei Programmen, Publikationen und Veranstaltungen.“ Auch ganz praktisch sei ihre Unterstützung wichtig: „Wenn wir Referentinnen für Symposien suchen oder Kontakte in die Forschung brauchen, profitieren wir enorm von ihren Netzwerken.“
Rückblickend hebt Dr. Drozd insbesondere die Aufbauarbeit von Prof. Schürmann hervor: „Sie war eine der Mitgründerinnen der AG, die ohne sie in der aktuellen Form gar nicht existieren würde.“ Zugleich sieht sie in Prof. Kirchners Profil große Chancen: „Durch ihre enge Anbindung an das DZD kennt sie Förderwege und Entscheidungsstrukturen sehr genau. Davon werden unsere Mitglieder profitieren.“ Für 2026 plant die AG Students‘ Diabetes Days, ein sichtbares Nachwuchsprogramm auf den Tagungen der DDG sowie weitere Podcasts und Medienformate. „Mit Prof. Kirchner möchten wir als AG noch präsenter werden, auch in gesundheitspolitischen Debatten“, so Dr. Drozd. Der Generationswechsel steht für Kontinuität – und für eine gezielte Weiterentwicklung von Sichtbarkeit und Förderung des diabetologischen Nachwuchses.
Antje Thiel