„Adipositas erfordert komplexe Antworten“
LEIPZIG. Erstmalig wurde beim Diabetes Kongress 2026 die Diabetes-Innovations-Projektförderung vergeben. Der erste Preisträger erforscht den Prädiabetes bei Kindern mit Adipositas.
Der Kinder- und Jugendmediziner Dr. Robert Stein hat für sein Projekt „Prädiktoren für Gewichtsabnahme und Remission von Prädiabetes bei Kindern mit Adipositas im Rahmen einer verhaltensorientierten Lebensstilintervention in einer prospektiven Kohortenanalyse“ die erstmalig vergebene Diabetes-Innovations-Projektförderung erhalten.
Am Uniklinikum Leipzig ist Dr. Stein klinisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter in der AG „Adipositas im Kindesalter“ von Professorin Dr. Antje Körner. Sein Fokus liegt auf kardiovaskulären und metabolischen Begleiterkrankungen der Adipositas von der frühen Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter. Er untersucht, wie diese vorhergesagt, verhindert und mit neuen medikamentösen Therapieoptionen behandelt werden können.
Verknüpfung verschiedener Methoden und Ansätze
„Adipositas ist komplex und erfordert daher komplexe Antworten und einen ganzheitlichen Versorgungsansatz“, erklärt er. In seinen klinischen Studien verfolgt er einen translationalen Ansatz, indem er statistische Methoden zur Vorhersage von Krankheitsverläufen, Risikostratifizierung und Clusteranalysen mit klinischen Beobachtungs- und Interventionsstudien sowie innovativer Grundlagenforschung zu Biomarkern, zellulären Signalwegen und (epi-)genetischen Hintergründen verknüpft.
„Wir haben in Leipzig das Glück, große Stichproben von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Übergewicht wissenschaftlich untersuchen zu können“, so der 35-jährige Studienarzt. Auf Basis der großen Datenmenge sei es mittels Blut-, Fettgewebs- oder genetischen Proben sowie Befragungen zu sozialen und Umweltfaktoren möglich, das vielschichtige Puzzle der Erkrankung zu rekonstruieren und drängende Fragen zu einem nachhaltigen Diabetesmanagement zu beantworten. Das gewürdigte Projekt setzt bei Frühstadien des Typ-2-Diabetes von Kindern und Jugendlichen mit Adipositas an. Im Zentrum der Leipziger Kohortenstudie steht die Frage, welche körperlichen, psychologischen, sozialen, umweltbedingten und genetischen Faktoren darüber entscheiden, ob Lebensstilinterventionen langfristig zur Gewichtsabnahme und Remission eines Prädiabetes beitragen können.
Von Dresden nach Australien und von dort nach Leipzig Dr. Stein studierte Humanmedizin an der Technischen Universität Dresden, wo er im Dezember 2017 promovierte. Im Oktober 2013 erhielt er für seine experimentelle Promotionsarbeit ein einjähriges Forschungsstipendium an der Klinischen Forschungseinheit der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Dresden. Von November 2016 bis März 2017 war er tätig an der Flinders University in Darwin und Adelaide, Australien. Am Universitätsklinikum Leipzig durchlief er seine Facharztweiterbildung zum Pädiater und absolviert dort seit April 2024 seine Zusatzweiterbildung für Kinder- und Jugendendokrinologie und -diabetologie. Seit Januar 2019 arbeitet Dr. Stein zudem als Gastwissenschaftler am Helmholtz-Institut für Metabolismus-, Adipositas- und Gefäßforschung (HI-MAG) des Helmholtz Zentrums München an der Universität Leipzig. Informationen zu den Projektförderungen der DDG gibt unter ddg.info/forschung/projektfoerderung. |
„Unsere Daten zeigen bisher, dass Kinder mit Adipositas völlig unterschiedlich auf eine Lebensstilintervention ansprechen. Zwei Drittel unserer Kohorte konnten eine Remission der prädiabetischen Stoffwechsellage erzielen, und das zum Teil auch, ohne dabei abzunehmen. Wir möchten nun herausfinden, welche Kinder also am meisten von einer Lebensstilintervention profitieren, und auch, wie wir bereits frühzeitig erkennen können, welche Kinder zusätzliche Therapiemaßnahmen benötigen, beispielsweise eine pharmakologische Therapie mit GLP1-Agonisten“, so Dr. Stein.
Petra Spielberg